Food

#MYVEGANSTORY – WIE, WARUM, WESHALB?

July 25, 2017
#myveganstory

Noch vor einem Jahr war Steak mein Lieblingsessen – am besten roh und schön blutig. Bei Beef Tatar oder Carpaccio lief mir das Wasser im Mund zusammen und ich kann mich noch genau daran erinnern, als mein Ex-Freund zu mir sagte “Ich bin so froh, dass du auch so gerne Fleisch isst. Ich könnte mit keiner Vegetarierin zusammen sein.” Als mir ein anderer Freund vor ca. 3 Jahren erzählte, das er kein Fleisch mehr isst, konnte ich nur meinen Kopf schütteln. Das verstand ich nicht. Ganz und gar nicht. Irgendwie empfand ich es sogar als “cool” Fleisch zu essen – vor allem ein Steak verbindet man doch mit Stärke und sogar Macht?! Wie kann man nur auf Fleisch verzichten wollen?

Von Käse ganz zu schweigen … während meiner Zeit in der Tourismusschule hab ich sogar eine Ausbildung zum Käsesommelier gemacht und ich war mächtig stolz darauf. Ich liebte Käse. Alles was mit Käse überbacken war, schmeckte schon automatisch lecker.

Kaum zu glauben, was sich alles verändert hat …

#myveganstory

DIE LIEBE ZU TIEREN

Natürlich liebe ich Tiere. Habe ich auch schon immer. Seit ich ein Baby war, hatten wir zu Hause eine Katze und ich verbrachte meine halbe Kindheit bei meiner Oma auf dem Bauernhof. Ich durfte Kälber Namen geben (mein Hugo), Ferkel und kleine Schäfchen streicheln und Küken beim Schlüpfen zusehen. Das alles war wunderschön. Und ich bin mir sicher, dass jeder Mensch eine mehr oder weniger große Liebe zu Tieren empfindet.

Doch leider war es mir damals nicht wirklich bewusst – und ist es der Mehrheit der Menschen auch heute nicht – was sich wirklich auf unseren Tellern befindet. Dass dieses Steak auch einmal Gefühle hatte. Und Augen – mit unendlich langen Wimpern.
Natürlich wissen wir, dass es ein Tier ist – und gleichzeitig ist es uns nicht bewusst. Weil es so normal ist. Würden wir selbst dieses Tier mit bloßen Händen schlachten müssen, aufschlitzen, die Gedärme entfernen und zu unserem Gericht verarbeiten – wie viele würden dann wirklich noch Fleisch essen wollen?

Ich kann mich noch ganz genau daran erinnern als mein Opa vor meinen Augen ein Schwein geschlachtet hat – ich war damals vielleicht 10 Jahre alt und sowas hatte ich noch nie gesehen. Es war grauenhaft. Ich musste mich übergeben und habe mich sofort bei einem Tierschutzverband angemeldet. Das Erlebnis war zwar einschneidend, aber damals war ich einfach noch zu jung um das ganze Ausmaß zu kapieren.

Obwohl ich Tiere liebte, waren die Tiere nicht der ausschlaggebende Grund warum ich beschloß mich vegan zu ernähren. Heute kann ich es nicht verstehen, warum man die einen Tiere liebt und ihnen sogar erlaubt neben einem im Bett zu schlafen und andere Tiere einzig und allein für den Genuss töten lässt. Je mehr Bilder ich von der Massentierhaltung sehe und je bewusster es mir wird, wie sehr wir diese hilflosen Geschöpfe als “Produkt” benutzen und vermarkten, desto glücklicher bin ich diesen Wahnsinn nicht mehr zu unterstützen.

MEINE ERNÄHRUNG IST SCHON LANGE EIN GROßER TEIL MEINES LEBENS

Ich bin bestimmt nicht die Einzige die in der Pubertät einige Kilos zugenommen hat. Bei mir waren es aber ca. 10 kg in ein paar Monaten. Vor allem von meinem Papa konnte ich mir ein paar blöde Sprüche anhören und natürlich sank damit mein Selbstbewusstsein stark. Ich wollte unbedingt abnehmen und habe alle Diäten ausprobiert die in den Mädchenzeitschriften so angepriesen wurden. Doch mir ging es gar nicht gut dabei. Ich hatte ständig Bauchschmerzen und einen aufgeblähten Bauch. Der Grund dafür war eine Fructoseintoleranz, die mich heute noch begleitet. Mittlerweile ist aber eine Lactoseintoleranz und eine Glutenintoleranz auch noch dazu gekommen.

Ich war teilweise sehr verzweifelt, dann hab ich wieder total darauf geschissen, weil ich das Gefühl hatte, dass sowieso gar nichts hilft was ich versuche. Mittlerweile weiß ich, dass ich einfach zu viel ausprobiert habe. Und ich denke ich bin jetzt auf einem guten Weg in Zukunft mehr auf meinen eigenen Körper zu hören …
 #myveganstory

EINFLÜSSE VON AUßEN – IST VEGAN SEIN “COOL”?

Ich gebe zu, dass mich Instagram und die ganze Bloggerwelt bestimmt beeinflusst haben. Da gibt es ganz viele die mich inspiriert haben und bei denen die vegane Welt einfach so schön und bunt ausgesehen hat. Vorne dabei sind Deliciously Ella, Daria Daria, Mind Body Bowl, JessBeautician und Erin Ireland. Meine Zeit in London mit den ganzen tollen veganen Cafes und Restaurants hat auch ihren Beitrag geleistet – hier bin ich auch ein bisschen in diesen Yoga Lifestyle reingerutscht. Ich war bezaubert von diesen veganen jungen Frauen, die so schön waren und gleichzeitig so ausgeglichen erschienen.

Also war meine erste Motivation eher oberflächlich. Ich wollte es einfach mal ausprobieren und sehen ob meine Haut besser wird, ob ich schlanker werde und ob ich mich besser und energiegeladener fühlte. Ich wollte es nur ein paar Monate versuchen und war gespannt auf den Effekt.

Für mich war es nur ein temporärer Versuch. “Nie wieder Fleisch essen” – das war bei mir noch nicht angekommen.

Beeinflussungen von außen sind eine Sache. Nur mit diesen oberflächlichen Motivationen wird es niemals möglich sein, diesen Lifestyle mit Freude auszuleben und dabei zu bleiben. Es folgten also einige Ausprobierphasen. Dazwischen habe ich mir immer wieder Fleisch, Käse und Eier gegönnt.

WIE ICH MEIN WARUM GEFUNDEN HABE

Ich habe mich weitergebildet, viele Dokumentationen und Youtube Videos geschaut und Bücher gelesen. Vor allem das Trio Earthlings, Forks over Knifes und Cowspiracy haben mich schockiert. (Du kannst sie alle entweder auf Netflix oder Youtube ansehen – auch auf Deutsch) Sehr empfehlen kann ich auch Hope for All (eine österreichische Produktion), What the Health und das großartige Video von Dr. Melanie Joy, indem sie darüber spricht warum wir eigentlich Fleisch essen.

Ich wusste natürlich, dass wir Tiere essen und dass das nicht wirklich richtig ist, aber wie dieser Kreislauf wirklich funktioniert, wie grausam wir Menschen Tiere behandeln und diese fühlenden Wesen nur als Produkt sehen, welche Auswirkungen der Konsum von tierischen Produkten auf unsere Gesundheit und auf unsere Umwelt hat – das war mir nicht bewusst. Überhaupt nicht. Ich habe viele Tränen vergossen. Ich möchte nicht mehr Teil dieses Systems sein. Natürlich laufen viele Dinge falsch in unserer Welt – doch das ist etwas, das unser tägliches Leben beeinflusst, und wir können täglich die Entscheidung dagegen treffen. Jeder Schritt zählt und jeder einzelne Mensch setzt eine Bewegung in Gange. Ich habe mein Warum gefunden – und bin so sehr davon überzeugt, dass mich mittlerweile nichts mehr davon abbringen kann.

Seit Jänner ernähre ich mich also nun vollkommen vegan. Und ich liebe es. Ich habe keinesfalls das Gefühl auf irgendetwas verzichten zu müssen. Ich koche wieder gerne – auch für mich alleine – und es macht mir total viel Spaß neue Produkte kennenzulernen.

#myveganstory

VERSCHLIEßE DEINE AUGEN NICHT VOR DER REALITÄT

Es ist – wie immer wenn du einen anderen Weg wählst – nicht der einfachste Weg. Ich treffe auf viel Gegenwind – auch in meiner Familie. Viele Personen fühlen sich angegriffen, obwohl ich niemanden an den Pranger stelle. Alleine wenn jemand mitbekommt, dass ich keine tierischen Produkte esse, kommen bei bestimmten Personen schon Aggressionen auf. Diese Reaktionen sind teilweise sehr interessant und tun teilweise auch sehr weh. Ich möchte nicht missionieren – jeder soll seine eigenen Entscheidungen treffen. Trotzdem bricht es mir oft das Herz, wie sehr wir alle noch die Augen vor der Realität verschließen. Obwohl wir wissen, dass so viel grausames auf unserer Welt passiert, möchten wir es nicht sehen. Wir möchten unsere Gewohnheiten nicht ändern. Und warum?
Weil es so gut schmeckt?

Was haltet ihr davon? Ernährt ihr euch vegan? Ich freue mich auf eure Geschichten und Erfahrungen 😉

Alles Liebe,
Simone

Follow

1 Comment

  • Reply Betty August 18, 2017 at 16:04

    Hallo Simone,

    Boah, ich liebe diesen Beitrag! 😀
    Ich bin selbst seit fast 15 Jahren Vegetarierin und ernähre mich seit knapp 2 Jahren zu ca. 95% vegan.
    Ganz habe ich es leider wegen dem Käse noch nicht geschafft, aber das kommt hoffentlich irgendwann auch noch. Ich find’s super, dass immer mehr und mehr Menschen über ihr Essverhalten nachdenken und nachhaltige Veränderungen vornehmen. Ich finde auch immer die Gründe und den Weg bis dorthin echt interessant.
    Wirklich toll, dass du es geschafft hast von einer richtigen Fleisch-Liebhaberin zur Veganerin zu werden. Ich weiß selbst wie vielen unnötigen Diskussionen man sich immer wieder aussetzen muss wenn irgendjemand mitbekommt, dass man vegan isst. Nichts desto trotz denke ich, dass es die einzig richtig Entscheidung ist. Ich hoffe bei mir klappt das auch bald 🙂
    Viel Erfolg weiterhin!
    Lg Betty von http://www.everydaybetty.at

  • Leave a Reply

    Close